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Waldbaden – dein Tor zur Gesundheit

Abenteuer Entschleunigung mit Shinrin-Yoku

© Kazuend via Unsplash
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Waldbaden – dein Tor zur Gesundheit

Abenteuer Entschleunigung mit Shinrin-Yoku

Waldbaden klingt so einfach wie verführerisch. Die Kraft der Bäume, die Ausstrahlung der Umgebung, sein sattes Grün und seine wohltuende Ruhe machen den Wald in seiner Ursprünglichkeit zu einem Heilort und Therapiezentrum. Natur sorgt für Entschleunigung. Du kommst wie von selbst raus aus deinem Gedankenchaos und findest deine innere Mitte. Sei einfach ganz im Augenblick und genieße ein Bad im Wald mit allen Sinnen.

Waldbaden: So wirkt Shinrin-Yoku

Shinrin-Yoku heißt die fernöstliche Heilmethode des Waldbadens. In Japan zählt sie zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge und wird als medizinischer Wissenschaftszweig erforscht. Der japanische Waldforscher Qin Li hat in mehreren Experimenten nachgewiesen, dass die in der Waldluft enthaltenen Terpene das Immunsystem stärken.

Weitere Ergebnisse: Ein Tag im Wald steigert die natürlichen Killerzellen in deinem Körper um bis zu 40 Prozent und Menschen, die in der Nähe eines Waldes leben, haben ein deutlich geringeres Krebsrisiko. Regelmäßige Waldspaziergänge von etwa einer halben Stunde wirken sich bereits positiv auf deine Gesundheit aus: senken Blutdruck wie Herzfrequenz und regulieren deinen Kreislauf. Insgesamt produziert dein Körper weniger Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin, du kannst schneller auf Regeneration umschalten. Mit der Heilkraft des Waldes atmest du nicht zuletzt entspannter und findest schneller in einen erholsamen Schlaf – das alles spricht für´s Waldbaden.

Auch Psychologen entdecken den Wald als Therapiezentrum. Menschen, die unter Burnout, Angstzuständen oder Panikattacken leiden, erleben in der heilsamen Umgebung ein Gefühl von Langsamkeit und Geborgenheit – lernen loszulassen. Diese Entschleunigungsmethode werden auch bei zum Beispiel Sucht und Depressionen angewandt. So zeigte ein Therapieprogramm für depressive Patienten in Japan größere Erfolge, wenn es in einer Waldumgebung durchgeführt wurde statt in einem Krankenhaus. Auch bei Demenzkrankheiten zeigt der grüne Naturraum Wirkung – so zeigen Patienten weniger Stress, wenn sie im Wald sind.

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Nicht nur Hänsel, Gretel, Rotkäppchen oder Schneewittchen beweisen es: Unser Wald ist romantischer Sehnsuchtsort, Herberge und grüne Lebensader zugleich. Seine schier unerschöpflichen Ressourcen machen ihn seit Urzeiten zu einem magischen Anziehungspunkt. Schon die alten Germanen verehrten Bäume als Sitz der Götter. Kelten banden deren Kraft in ihre Heilkunde ein – Druiden galten als Mittler zwischen Wald und Menschen. Im Mittelalter wurde der Wald zum Mythos erklärt, in dem Räuber, Hexen und Feen wohnten.

Heute gehen Forscher der Universität München davon aus, dass der Mensch mit seinem gesamten Bewegungsapparat auf das Leben in der Natur ausgerichtet ist. Auf der anderen Seite führe die zunehmende Urbanisierung zu einem Natur-Defizit-Syndrom, das es zu bewältigen gilt. Sie plädieren für mehr Waldkindergärten, grüne Klassenzimmer, Unterricht unter Bäumen und eben Waldbaden.

Mit einem Waldanteil von über 32 Prozent ist Deutschland eines der waldreichsten Länder Europas. Die grüne Parallelwelt lädt dich jeden Tag ein, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Best things in life are free!

Das kannst Du beim Waldbaden erleben!

Lass los und gib deine Probleme einfach ab! So lautet die einfache aber wirksame Formel des Waldbadens. Nimm dir Zeit und probiere es aus. Bereits nach kürzester Zeit wirst du den Effekt spüren, wie sich die Kraft der Bäume auf dich überträgt und sich die Hektik des Alltags verflüchtigt.

Atmen und Entspannen:

Steh mit beiden Beinen fest auf dem Waldboden. Atme mit geschlossenen Augen mehrere Male tief ein und aus. Nimm so die frische Luft mit ihren wertvollen Terpenen in jeder Zelle deines Körpers auf. Lass die gesamte Wald-Umgebung auf dich wirken. Spüre, wie die Natur deine innere Mitte stärkt, du Wurzeln schlagen und ganz im Augenblick sein kannst. Wachse mit Armen und deinem Scheitel bis in die Baumkronen hinauf. Die meisten Yoga-Übungen eignen sich zur Entspannung im Wald. Auch Qi Gong ist dort besonders effektiv.

Spüren:

Der Wald bietet viele Möglichkeiten für Berührungen. Gehe einfach mal barfuß durch flauschiges Moos oder über einen anderen Waldboden. Erforsche mit deinen Händen vorsichtig die Beschaffenheit der Blätter. Gehe dabei ins Detail und zeichne zum Beispiel die Wasseradern und Strukturen nach. Worin unterscheiden sich die Borken verschiedener Baumarten? Auch das ist für deine Finger eine ganz neue Erfahrung. Ganz nebenbei hülst du so die Kraft des Waldes ein und nimmst sie neugierig wie ein Kind ganz selbstverständlich auf.

Hören:

Genieße die leisen Töne des Waldes – er ist ein regelrechter Lärmschlucker – und hör auf die Stille. Welche Vögel hörst du? Kannst du ihren Gesang unterscheiden? Knackt in der Ferne etwas im Unterholz oder rauschen die Blätter im Wind? Wenn du es schaffst, dich richtig fallen zu lassen, ist diese Übung wie Meditation. Dein Geist kommt zur Ruhe und diese wirkt sich positiv auf Beschwerden wie Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen oder Tinnitus aus.

Sehen:

Der Wald ist nicht nur Grün – er schimmert in tausend Farben und Nuancen. Schaue in den Himmel und nimm die Lichtspiele des Waldes wahr und lass sie auf dich wirken. Schon Johann Wolfgang Goethe sprach jeder einzelnen Farbe sinnliche Qualitäten und eine spezifische Wirkung auf die menschliche Psyche zu. Grün wirkt danach beruhigend. Psychologen der Universität Wien schreiben einem zarten Grün sogar eine messbare Heilwirkung zu. Diese hatte Roger S. Ulrich bereits 1984 in einer Studie der Univercity of Delaware nachgewiesen. Danach erholten sich Patienten in Zimmern mit Aussicht auf eine natürliche Umgebung nach einer Operation schneller und brauchten weniger Schmerzmittel, als eine Kontrollgruppe in Zimmern mit Blick auf eine Ziegelwand.

Riechen:

Die frische, reine Luft des Waldes ist legendär. In Nadelwäldern nimmst du zusätzlich ätherische Öle auf, die deiner Atmung guttun. Im Frühling soll uns der Geruch von modrigem Laub, das von der Sonne erwärmt wird, angenehme Gefühle und Erinnerungen an die Kindheit bescheren. Atme die frischen wie würzigen Düfte des Waldes ein. Neben Musik rufen sie die stärksten Aufzeichnungen in uns wach.

Schmecken:

Pilze, Bärlauch und Waldbeeren stehen ja schon länger auf unserem Speiseplan aber der Wald bietet noch viel mehr. Probier einfach mal junge Buchenblätter als Salat oder pule den Samen der Bucheckern heraus und teste den nussigen Geschmack. Achtung: natürlich ist nicht alles genießbar – lass die Finger von Pflanzen, die du nicht kennst. Natürlich schmeckt es nicht zuletzt in der freien Natur besser: wie wäre es mit einem Picknick auf einer Lichtung. Danach einfach auf die Decke legen, alle Eindrücke um dich herum aufsaugen und die Seele baumeln lassen.

 

Quellen:

Clemens G. Arvay, Der Heilungscode der Natur, Die verborgenen Kräfte von Pflanzen und Tieren entdecken. Riemann-Verlag München, 2016,

Studie Waldbaden: Li, Qin, et al. (2008): A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects. Journal of biological regulators & homeostatic agents

Waldbaden: Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken. Annette Bernjus, Anna Cavelius, MVG Verlag, 2018

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2019.00722/full [Zugriff: 05.04.2019]

https://www.waldbaden.com/waldbaden/waldbaden/positive-auswirkungen/ [Zugriff: 13.3.2019]